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Mix-and-Match-Prinzip: Ein Job für immer? Bloß nicht!

Brigitte Schenk Kanzlei HSC · Germany

Veröffentlicht am 3. November 2026

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Mix-and-Match-Prinzip: Ein Job für immer? Bloß nicht!

Berufsleben Mix-and-Match im Job: Neue Arbeitswelten

© Pixel-Shot / Adobe Stock von Verena Carl

02.01.2025, 11:24 4 Min.

Einen für immer? Bloß nicht! Ein Arbeitsleben lässt sich auch prima nach dem Mix-and-Match-Prinzip zusammenbasteln – ist dieser Trend unsere Zukunft?

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Und was machst du so beruflich? Die meisten Menschen können das einigermaßen knapp beantworten, bei anderen dauert es etwas länger. Hilke Krause, 50, brennt gleichzeitig für Marketing und für Coaching, halb freiberuflich und halb festangestellt. Kaja Beutin, 29, hat mehrere Standbeine, aber ein gemeinsames Thema: Glück und Wohlbefinden. Und Nanni Schleicher, 41, Wirtschaftswissenschaftlerin, forscht zu Doppelerwerbstätigkeit, auch, weil sie sich bestens auskennt mit diesem Lebensentwurf: Neben ihrer akademischen Laufbahn arbeitete sie jahrelang als Flugbegleiterin, machte eine Ausbildung zur Yogalehrerin und zur interkulturellen Trainerin.

"Polyamorie" - Auch im Berufsalltag?

Lebensläufe, die von außen etwas rastlos wirken mögen, aber einer tiefen, inneren Logik folgen: berufliche und persönliche Entwicklung zusammenbringen. "Menschen, die sich freiwillig für Mehrfachtätigkeiten entscheiden, sind eher intrinsisch motiviert, sie wollen nicht nur ihre Karriere gestalten, sondern ihr ganzes Sein", sagt Nanni Schleicher. "Oft kennen sie schon von Kindheit an das Gefühl: Ich gehöre hier nicht richtig hin, ich passe nicht in vorgefertigte Schubladen."

Menschen also, die von Natur aus "out of the box" denken. Die weniger von Status oder Geld angetrieben sind als vom Wunsch nach Erfüllung, Abwechslung, Wachstum. Auch wenn sie sich ihren Platz im System immer wieder erkämpfen müssen: Steuerrecht, Arbeitsrecht und Sozialversicherung, überall gilt die oder der Festangestellte als Normalfall. Der Vorteil: Wer sich im Arbeitsleben bewusst gegen "den einen" entscheidet, schafft Raum für viele. Eine ähnliche Entwicklung wie im Privaten, wo die monogame Langzeit-Ehe längst Konkurrenz bekommen hat von Modellen wie offenen Beziehungen und Polyamorie.

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Keiner zwingt mich, hier zu sein.

Was für die einen nach einem kräftezehrenden Balanceakt klingt, ist für die anderen eine befreiende Erkenntnis: "Keiner zwingt mich, hier zu sein – diese innerlich souveräne Haltung führt dazu, dass Menschen zufriedener sind mit ihrer Arbeit", sagt Nanni Schleicher.

Die Lust auf Autonomie und die Begeisterung für neue Erfahrungen kann sie gut nachvollziehen: "Auch ich muss meine Hände selbst an die Steckdose halten, um zu wissen, wie sich Strom anfühlt." In ihrer Zeit als Flugbegleiterin traf sie immer wieder auf andere Kolleg:innen mit erstaunlichen Doppelkarrieren: etwa einen Anwalt, eine Heilpraktikerin und eine Galeristin.

Der Trend zur Patchwork-Karriere

Ein Massenphänomen ist das sicherlich nicht, wobei aktuelle Zahlen fehlen. Aber schon ein Blick in Arbeitsmarktstatistiken und Social-Media-Portale wie LinkedIn zeigt: Patchwork-Karrieren statt "höher, schneller, weiter", das nimmt generell zu. Laut einem Überblick des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) hat sich seit den frühen Neunzigern die Zahl der Mehrfachbeschäftigten fast vervierfacht, Tendenz weiter steigend. Bei Frauen noch häufiger als bei Männern.

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Es ist allerdings ein vielfältiges Spektrum, von der Geringverdienerin, die sich ihr kümmerliches Gehalt mit einem steuerfreien Minijob aufbessert, bis zur Juristin, die sich ein Sabbatical nimmt, um Ferienhäuser einzurichten, als Ausgleich zur Kopfarbeit.

"Nebenjobs streuen breit, nach Branchen, Personen, Motiven", sagt Enzo Weber, als Professor für Wirtschaftswissenschaften am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) tätig. "Das kann der Wunsch nach besserem Einkommen sein, nach Flexibilität, neuen Perspektiven, Selbstverwirklichung. Aber auch finanzielle Not." Denn auch das gehört unbedingt zur Wahrheit: Nicht alle Mehrfachbeschäftigten sind souveräne Freigeister, manche werden in Multijobs gedrängt, weil sie kaum eine Wahl haben.

Hilke Krause fährt zweigleisig

Doch selbst wenn man nur die Gruppe der freiwilligen Berufsbastler:innen betrachtet, ist das Bild nicht einheitlich. Hilke Krause hat sich aus einer klassischen Vollzeitkarriere heraus ein zweites, paralleles Standbein aufgebaut: 24 Jahre lang kletterte sie bei einem Konsumgüter-Konzern stetig die Jobleiter hoch, teilt sich bis heute die Marketingleitung für eine Eismarke mit einer Kollegin. Super für die Kollegin, die sich Zeit für ihre Familie und andere Projekte wünschte, aber nicht minder gut für Hilke Krause. Seit Kurzem fährt sie konsequent zweigleisig: 50 Prozent Arbeitszeit im Führungsduo, 50 Prozent "Purpose Coach", sowohl für ihren Arbeitgeber als auch freiberuflich für externe Kunden. „Das ist aber kein langsames Rausschleichen aus der Festanstellung“, betont sie, "sie macht Riesenspaß, gibt mir Struktur, und gerade die Arbeit mit jüngeren Kolleg:innen hält mich up to date." Als Absage an eine weitere Karriere will sie ihren Job-Mix schon gar nicht verstanden wissen: "Meine Laufbahn ist eher horizontal, nicht vertikal. Und meine beiden Rollen befruchten sich gegenseitig."

Kaja Beutin, 29, hat einen Weg gefunden, ihr Herzensthema auf mehrere Tätigkeiten zu verteilen: Persönlichkeits- und Teamentwicklung, die das psychologische Wohlbefinden stärkt. Schon im dualen Wirtschaftsstudium erkannte sie ihre Leidenschaft dafür, eine Fortbildung zur "Glückslehrerin" an einem privaten Institut inspirierte sie zu der Idee: Ich möchte mich nicht nur im Wirtschaftskontext dafür stark machen.

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Mehr Raum für mehr Projekte

Im nächsten Bewerbungsgespräch auf eine Stelle als Expertin für agile Arbeitsmethoden nutzte sie ihre Chance: Auf die Frage nach dem Arbeitspensum entschied sie sich für eine Viertagewoche. Den fünften nutzt sie nun als Spielbein für andere Projekte, als Dozentin an einer Fernuni, Impulsgeberin für psychologisches Wohlbefinden und die Gestaltung von Projekttagen an Schulen. Ähnlich wie Hilke Krause schätzt sie das Eingebundensein in komplexe Strukturen, die Zusammenarbeit im Team und die finanzielle Sicherheit. Aber auch die Luft für andere Projekte: "Im Grunde geht es immer um denselben Ansatz, aber die Tätigkeiten sind verschieden, und sie befruchten sich gegenseitig."

Klar, Herausforderungen gibt es auch. Gerade zum Stichwort Wohlbefinden: "Ich muss darauf achten, dass ich mir nicht zu viel vornehme. Auch wenn ich schon besser darin geworden bin, Prioritäten zu setzen und Grenzen zu ziehen, gelingt es mir noch nicht immer so, wie es für mich am besten wäre", sagt Kaja Beutin.

Gewagt oder einfach fortschrittlich?

Denn, auch das liegt auf der Hand, die selbst gebastelte Karriere hat nicht nur Vorteile. Hohe Selbstbestimmung, das heißt auch hohe Eigenverantwortung: von Altersvorsorge bis zur Urlaubsplanung. Wer seine eigene Chefin ist, muss auch gut für sich sorgen. Ein festes Sicherheitsnetz knüpfen.

Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage kann man das für besonders mutig halten – oder für ganz schön riskant. Möglicherweise ist es aber auch eines: realistisch. In Umbruchzeiten, wenn industrielle Riesen wie VW um ihren Fortbestand kämpfen und KI im Schnelltempo menschliche Arbeit übernimmt, ist das Multi-Modell nicht die schlechteste Lebensversicherung. Vielleicht sogar ein Weg zu einem sicheren, vielfältigen Job in einer unsicheren Welt.

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Zum Mitreden: Worte für die neue Arbeitswelt

So wenig einheitlich die Szene der Mehrfachbeschäftigten, so vielfältig auch die Begriffe. Häufig verwendet: "Slasher" (wegen des Schrägstrichs zwischen den Jobbeschreibungen), "Multijobber", "Scanner" (stets dabei, ihre Umgebung nach neuen Möglichkeiten abzuscannen). Für die breit aufgestellte Laufbahn haben sich die Begriffe "Portfolio-Karriere" sowie "horizontale Karriere" eingebürgert.

Brigitte

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